top of page

Offener Brief „Landesholding betreibt Anti-Wolf-Portal“ vom 2.11.2025 TT

Sehr geehrte Frau Hrdina,

mit Verwunderung haben wir Ihren Artikel in der Tiroler Tageszeitung gelesen, in dem Sie die Webseite „Unsere Almen“ als „Anti-Wolfs-Portal“ bezeichnen und deren Finanzierung durch öffentliche Mittel kritisieren. Ihre Fragen nach der Verantwortung öffentlich geförderter Kommunikation sind berechtigt – irritierend ist jedoch der einseitige Blickwinkel, den Sie selbst einnehmen.

Wenn Sie hinterfragen, dass eine Plattform die Sicht jener Menschen zeigt, die täglich auf den Almen arbeiten, sollten dieselben Maßstäbe auch für die Gegenseite gelten. Denn auch Projekte wie das EU-Programm LIFE StockProtect (Fördergeld 3,7 Mio.) oder andere, mit Millionen geförderte Initiativen, werden aus öffentlichen Geldern finanziert – mit dem Ziel, die „Akzeptanz für Wölfe und Bären in der Bevölkerung zu erhöhen“. Das ist ebenfalls politische Öffentlichkeitsarbeit – nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Während also EU- und Landesmittel fließen, um pro-Wolf-Narrative zu fördern, darf offenbar niemand öffentlich erklären, welche realen Probleme die Rückkehr des Wolfs für die Almwirtschaft bedeutet? Ist es wirklich ausgewogen, wenn jene Stimmen, die aus jahrzehntelanger Erfahrung berichten, was Weidewirtschaft in hochalpinem Gelände praktisch bedeutet, pauschal als „tendenziös“ abgetan werden?

„Unsere Almen“ ist keine politische Kampagnenplattform, sondern eine Kommunikationsbrücke zwischen Bergbevölkerung und Öffentlichkeit. Sie erzählt die Geschichten der Menschen, die unsere Kulturlandschaft erhalten, die Tag für Tag auf den Almen arbeiten und damit die Grundlage für Biodiversität, Landschaftsschutz und Erholung schaffen. Wenn dort Sorgen über die Rückkehr von Großraubtieren artikuliert werden, dann nicht aus Ideologie, sondern aus gelebter Erfahrung.

Die öffentliche Hand darf und soll beide Seiten unterstützen – Information, Dialog und Verständnis. Aber sie sollte nicht mit zweierlei Maß messen:

Öffentlich finanzierte Projekte pro Wolf gelten als Aufklärung. Öffentlich finanzierte Projekte pro Alm gelten als Propaganda.

Wer verlangt, dass „Unsere Almen“ politisch neutral bleiben soll, sollte zuerst bei den millionenschweren Wolfsprogrammen nach derselben Neutralität fragen. Denn Meinungsvielfalt ist keine Einbahnstraße.

Und vielleicht darf die Frage, die Sie aufwerfen, auch an Sie selbst zurückgehen werden: Wie politisch darf eigentlich Ihr Journalismus sein, wenn auch Ihr Arbeitgeber öffentliche Fördergelder, Presseförderung und staatliche Inserate erhält?

Wir bitten um Ihre Stellungnahme!


Artikel aus der Tiroler Tageszeitung

 
 

ALM WEIDE SCHUTZ.AT
Verein zum Erhalt der Kulturlandschaft und gegen die Großraubtierverbreitung

 IBAN: AT31 3956 1000 0022 2844

©2023 von Alm & Weideschutz

Erstellt mit Wix.com

bottom of page