Offener Brief an die Redaktion des ORF Niederösterreich
- Team ALMWEIDESCHUTZ.AT

- 5. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Betreff: Einseitige und fachlich mangelhafte Berichterstattung zum Thema Wolf (Sendung vom 30.04., 11:00 Uhr Nachrichten)
Sehr geehrte Frau Eva Steinkellner-Klein,
sehr geehrte Frau Beate Tomassovits,
sehr geehrter Herr Karl Trahbüchler,
mit großer Verwunderung und wachsender Kritik nehmen wir Ihre Berichterstattung zum Thema Wolf in den 11 Uhr Nachrichten vom 30. April zur Kenntnis.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen klaren gesetzlichen Auftrag: objektive, ausgewogene und faktenbasierte Information. Genau diesem Anspruch wurde Ihr Beitrag in keiner Weise gerecht.
Statt fundierter Recherche wurde einseitig die Position des Naturschutzbundes wiedergegeben – ohne kritische Einordnung, ohne Gegenposition, ohne wissenschaftliche Differenzierung. Besonders problematisch ist dabei die Präsentation von Herrn Lucas Ende als „Experte“.
Herr Ende ist kein unabhängiger wissenschaftlicher Experte, sondern Vertreter einer NGO mit klarer Interessenslage und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Wolf. Seine Aussagen – etwa, dass Österreich „mindestens 100 Rudel“ für einen ökologisch günstigen Erhaltungszustand benötige – sind weder wissenschaftlich belegt noch europarechtlich haltbar, sondern spiegeln eine ideologisch geprägte Position wider.
Demgegenüber stehen fundierte wissenschaftliche Einschätzungen anerkannter Fachleute wie Prof. Klaus Hackländer (BOKU Wien), welcher am 21.4.26 in den Salzburger Nachrichten klar festhält:
Es gibt keine belastbaren wissenschaftlichen Zahlen, wie viele Wölfe Österreich „braucht“
Der Begriff des „günstigen Erhaltungszustandes“ ist nicht biologisch definiert, sondern ein rechtlicher Begriff der FFH-Richtlinie
Seine konkrete Auslegung ist bis heute wissenschaftlich umstritten
Noch gravierender ist jedoch, dass zentrale Fakten völlig ignoriert wurden:
Der günstige Erhaltungszustand ist laut FFH-Richtlinie auf Populationsebene zu bewerten – nicht national
Österreich ist Teil der alpinen Gesamtpopulation und kein isolierter Lebensraum
Ein günstiger Erhaltungszustand bedeutet ausdrücklich nicht, dass in jedem Land eine große Population vorhanden sein muss!
Im Alpenraum ist der günstige Erhaltungszustand für die alpine Population laut internationalen Bewertungen bereits erreicht.
Die von Ihnen ungeprüft übernommene Forderung nach „100 Rudeln in Österreich“ entbehrt somit jeder seriösen Grundlage.
Besonders kritisch ist zudem die wiederholte, pauschale Forderung nach Herdenschutz als „Lösung“. Hier wurde vollständig ausgeblendet, dass:
Die Alm- und Weidewirtschaft im alpinen Raum strukturell nicht mit klassischen Herdenschutzmaßnahmen kompatibel ist
Selbst der europäische Rechtsrahmen soziale, wirtschaftliche und kulturelle Faktoren ausdrücklich berücksichtigt
Die praktische Umsetzbarkeit von Herdenschutz in Hochlagen seit Jahren massiv in Frage gestellt wird
Es ist nicht akzeptabel, dass die Perspektive der tatsächlich betroffenen Landwirte und Almbewirtschafter in Ihrer Berichterstattung überhaupt nicht vorkommt.
Der ORF wird von allen Bürgerinnen und Bürgern finanziert. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung:
Ausgewogenheit, journalistische Sorgfalt und die Abbildung der Realität – nicht die Verbreitung einseitiger NGO-Narrative.
Wir fordern Sie daher nachdrücklich auf:
Künftige Beiträge zum Thema Wolf auf Basis wissenschaftlicher Fakten und rechtlicher Grundlagen zu gestalten
Unabhängige Fachwissenschaftler einzubeziehen – nicht ausschließlich Interessenvertreter
Betroffene Praktiker (Landwirte, Almwirtschaft, Tierhalter) angemessen zu Wort kommen zu lassen
Komplexe Themen wie den „günstigen Erhaltungszustand“ nicht populistisch zu vereinfachen
Sollte dieser Anspruch weiterhin nicht erfüllt werden, stellt sich berechtigt die Frage nach der Rolle und Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Mit Nachdruck erwarten wir eine künftig differenzierte und sachlich korrekte Berichterstattung und eine Korrektur ihrer fachlich falschen Nachrichtenmeldung vom 30. April.




