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Offener Brief an Radio Kärnten


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Offener Brief an Radio Kärnten zur Sendung „Freizeichen“ vom 6. Juni 2025 zum

Thema Wolf mit Wolfslobbyist Dr. Kurt Kotrschal

Sehr geehrte Redaktion von Radio Kärnten,

sehr geehrte Direktion,

sehr geehrtes „Freizeichen“-Team,

mit großem Interesse – und zunehmender Fassungslosigkeit – haben wir die Ausgabe Ihrer

Sendung „Freizeichen“ am Freitag, dem 06.06.2025, verfolgt, in der es um die Sichtung eines

Wolfes in einem Siedlungsgebiet im Raum Moosburg ging.

Laut Sendungsbeschreibung ist „Freizeichen“ ein Format zum Mitdiskutieren. Umso irritierender war es, dass in der rund 55-minütigen Sendung über zwei Drittel der Gesprächszeit faktisch ausschließlich einem einzigen „Experten“, dem Wolfsforscher und ausgewiesenen Wolfslobbyisten Dr. Kurt Kotrschal, eingeräumt wurden. Während er etwa 22 Minuten Redezeit zur Verfügung hatte, wurden lediglich vier Zuhörerinnen und Zuhörer mit insgesamt acht Minuten Sprechzeit zugeschaltet – ohne wirkliche Möglichkeit, auf seine Aussagen fundiert einzugehen oder diese zu hinterfragen. Eine kontroverse, ausgewogene Diskussion, wie es das Format verspricht, hat somit nicht stattgefunden.

Dass Dr. Kotrschal in dieser Rolle die Gelegenheit nutzt, um bekannte und vielfach

wissenschaftlich angezweifelte Narrative der Wolfsbefürwortung zu verbreiten – wie etwa die Behauptung, Wölfe würden nur kranke Tiere reißen, der Surplus Killing Effekt sei nicht genetisch bedingt, oder Herdenschutz sei überall problemlos machbar – überrascht nicht. Es ist seine bekannte Linie.

Was jedoch höchst bedenklich ist: Dass der ORF Kärnten eine solche Einseitigkeit zulässt, ohne einen zweiten wissenschaftlichen Standpunkt zu Wort kommen zu lassen – z. B. durch Fachleute wie Marcel Züger oder Dr. Christine Miller, die die Probleme mit der Rückkehr des Wolfs differenzierter betrachten.

Besonders empörend war zudem Dr. Kotrschals Kommentar auf die berechtigte Sorge einer

Zuhörerin über Schafsrisse. Zwar sprach er Bedauern aus, doch gipfelte seine Antwort in der

Aussage, dass sich betroffene Tierhalter stets selbst fragen müssten, ob sie „ihr Möglichstes getan hätten“. Damit suggeriert er, dass die Verantwortung für Wolfsrisse bei den Tierhaltern liegt –nicht beim rechtlichen Schutz eines Prädators, der sich unkontrolliert ausbreitet.

Diese Aussage ist für viele Weide- und Bergbauern eine schallende Ohrfeige. Denn es ist eine

Tatsache – und kein subjektives Empfinden –, dass gerade diese Berufsgruppe bereits heute zu den härtesten und am stärksten belasteten Arbeitsbereichen in unserem Land zählt. Arbeitstage von 16 bis 18 Stunden sind in den Sommermonaten keine Ausnahme, sondern die Regel. Herdenschutzmaßnahmen, wie sie von landwirtschaftsfernen Wolfsbefürwortern theoretisch gefordert werden, sind in vielen Regionen der Alpen nicht praktikabel umsetzbar – weder zeitlich, noch finanziell, noch topografisch.

Wenn jemand, der sich selbst Wissenschaftler nennt, öffentlich über die sozialen Netzwerke

äußert, man solle sich fragen, ob wir „einen mesopotamischen Grasfresser“ (gemeint sind Schafe) in Europa überhaupt noch brauchen, oder ob „Rewilding“ nicht die bessere Antwort sei (vgl. FB Posting Kurt Kotrschal 08.06.2022), und anschließend im Radio sein Mitgefühl für Tierhalter heuchelt, dann ist das ein Widerspruch, den man nicht unwidersprochen stehen lassen darf.

Dass Radio Kärnten dies dennoch getan hat, ist bedauerlich – und ein klares Versäumnis in der journalistischen Verantwortung.

Fazit:

Die Gestaltung dieser Sendung war nicht ausgewogen, nicht respektvoll gegenüber den

Betroffenen und keinesfalls diskursiv. Sie war einseitig, unausgewogen und hat zur Polarisierung beigetragen – anstatt zum Dialog.

ORF Radio Kärnten ist beim Thema Wolf und große Beutegreifer mit dieser

Sendung nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Wir erwarten von einem öffentlich-rechtlichen Medium, das mit Pflichtbeiträgen aller

Österreicher finanziert wird, mehr journalistische Ausgewogenheit, kritisches Hinterfragen

einseitiger Positionen und echten Respekt gegenüber den Menschen im ländlichen Raum,

insbesondere gegenüber jenen, die unsere Kulturlandschaft mit harter Arbeit erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Verein ALM WEIDE SCHUTZ.AT Verein zum Erhalt der Kulturlandschaft und gegen die

Großraubtierverbreitung Bildquelle: pixabay

 
 

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